DIE SATERLÄNDISCHE TRACHT

Pyt Kramer

Nach einer wiedergefundenen handschriftlichen Kopie der von mir 1977 vorgenommenen Quellenforschung

aus Dank für die Hilfe der oldenbürgischen Museen und Archiven

(Wahrscheinlich damals liegengeblieben durch ein Missverständnis über die Erwähnung des Hylper-Friesischen kas(a)kijntjen)
(Für Bild 2 jetzt:Helmut Ottenjann, Der Frauenkopfschmuck "Ohreisen" im Saterland, Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 1999, S. 57-67.)
(Zur Zuverlässigkeit von Bild 2: Helmut Ottenjann, National-Tracht damals, Regional-Kleidung heute, Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 2003: 199-214.)

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PK 15-10-1977

DIE SATERLÄNDISCHE TRACHT

Im vorigen [19.] Jahrhundert hat das Saterland viele gelehrte Besucher angezogen, den wir ebensoviele Beschreibungen des Landes verdanken. Oft wird bei diesen Beschreibungen die Kleidung mit einbezogen und es werden zuweilen auch Bilder davon gegeben, so daß wir eine nahezu einzigartige Gelegenheit bekommen, die Kleidertracht eines so kleinen Gebietes in ihrer Entwicklung zu folgen.

Schon der erste Beschreiber des Saterlandes, J.G. Hoche 1), gibt im von J. Penzel gezeichneten Titelbild seiner Arbeit vom Jahre 1800 die Tracht wieder (unser Bild 1). Hoche erwähnt dieses Bild nirgends im Text und das Haus paßt auch nicht zur Beschreibung auf Seite 143: "Einen Schornstein hat kein Haus." Doch stimmt es sonst genau zu den auf Seite 194 beschriebenen saterländischen Biervisiten.

Eine kolorierte Lithographie mit der Unterschrift "Saterländer mit ihrem Fuhrwerke auf dem Moor" 2) (Bild 2), ist nach der Gesamt-Eindruck wohl um 1820/30 zu datieren, wenn auch die Haartracht und die Jacke der Frau an das ausgehende 18. Jahrhundert erinnern 3). Als einziges Bild zeigt es auch die Männerkleidung.

Eine etwas mehr eingehende Beschreibung bieten die Westfriesen Hettema und Posthumus 4) in ihrem Buch von 1836, das außerdem mit farbigen Abbildungen der täglichen und der sonntäglichen Frauentracht geziert ist (Bilder 3 und 4). Diese sind gezeichnet von C.B. Buys nach im Saterlande angefertigte Skizzen. Ein Jahr später aber werden diese Bilder, wie übrigens das ganze Buch, nicht immer ohne Grund scharf kritisiert, wahrscheinlich von Nieberding 5), der uns dann auch selbst eine Beschreibung schenkt 6).

Sehr ausführlich ist die Beschreibung aus Ramsloh, die 1846 auf saterländisch notiert wurde von J.F. Minssen 7), leider ohne Bild. Viele Ausdrücke werden auch noch weiter erklärt in seinem Wörterverzeichnis 8). Die sprachliche Arbeit Minssens entspricht den heutigen Kriterien der objektiven Beobachtung ziemlich wohl und auch die Trachtbeschreibung macht einen gründlichen Eindruck.

"Kirchengängerin aus Saderland" ist der Titel einer Lithographie von M. Mühlig aus 1847 9) (Bild 5). Vorallem in der Kopfbedeckung ist es abweichend.

Aus 1893 datiert die Beschreibung der saterländischen Frauentracht von Th. Siebs 10). Auch er läßt wie Minssen seine Gewährsleute ans Wort. Die damals verschollene Handschrift Minssens kannte er nicht 11). Siebs erwähnt, daß die Tracht um die Mitte des Jahrhunderts abhanden gekommen sei und daß es ihm sehr schwer gefallen war, sie zu rekonstruieren. Nur noch vereinzelt fanden sich alte Kleidungstücke und Schmuckgegenstände. Doch gelang es ihm, ein farbiges Trachtenbild zusammenzustellen, das aber nicht in der Zeitschrift abgedruckt wurde. Leider ist der ganze Siebsche Nachlaß im letzten Krieg in Breslau verbrannt 12). Eine ältere Beschreibung von Siebs 13) ist wohl nur auf die Bilder bei Hettema gegründet und wird weiter nicht von mir benutzt.

Die letzte Beschreibung der saterländischen Tracht verdanken wir J. Bröring (1897) 14). Weil im Saterlande aufgewachsen, werden ihm viele Türe geöffnet sein, die andere Untersucher geschlossen blieben. Er sagt jedoch, daß damals im gansen Ländchen kaum noch eine vollständige Tracht zusammen war. Nur die Großzügigkeit des Oldenburgischen Landesmuseums gewährte ihm die Mögligkeit, sein Buch eine aquarellierte Photographie der Frauentracht beizugeben, weil er seine eigene Sammlung fehlende Stücke, wie Schuhe, Rock und Schürze, dem Museum entleihen konnte. Wir geben diese Photographie als Bild 6. Das Bild macht den Eindruck, als ob die Stücke nicht mehr in allzu guten Zustand sind. Auch die ganze Zusammenstellung ist weniger schön als z.B. die in Bild 4.

Bild 7 gibt eine Aufnahme des Oldenburgischen Landesmuseums. Es gehört zu einer Serie von Trachtenphotos, die in den dreißiger Jahren aufgenommen wurden 15). Im Ganzen ähnelt die Zusammenstellung die von Bild 6; in beiden Fällen könnte es sich um denselben Rock handeln. Auch Siebs erwähnt, daß das Oldenburgische Landesmuseum damals neben einige Teile ein ganzes Modell besaß, das wohl eine reiche Erbin darstellte, aber nicht zu seiner eigenen Beschreibung stimmte.

Herr Wilhelm Kramer aus Bollingen erzählte mich, daß er um 1916 noch alte Stücke gesehen hat, z.B. Mützen "nicht die Kaputzen" mit silbernen Borten, sowie Jacken und weite Röcke. Wenn damals auch die alte Tracht nicht mehr getragen wurde, so waren doch die Saterländer von ihren Nachbarn in der Kleidung zu unterscheiden, wobei sie sich noch am meisten den ostfriesischen Fehnkolonien anschlossen. Die erwähnten alten Trachtstücke sollen später zum Teil in das Museum in Wilhelmshaven gelangt sein.

Außer diesen Beschreibungen stehen uns noch drei Inventare der reichen Familie Goderwys aus Hollen zur Verfügung.16) Diese stammen aus den Jahren 1832, 1848 und 1856.

DIE TRACHT DER FRAUEN

Aus den Quellen wird deutlich, daß die Tracht um 1850 außer Gebrauch gekommen ist. Hoche fand sie 1798 noch wohl in voller Benutzung. Aber in 1832 hieß es schon: "Die allesbeherrschende Mode hat auch hier, vorallem bei den jüngeren und unverheirateten Frauen, schon vieles Ursprüngliches verwechselt mit der westfälischen Frauentracht."17) Und in 1837: "Doch fängt die Mode schon an, auch in dieses abgesonderte Ländchen sich einen Eingang zu verschaffen." 18) In 1846 lesen wir: "Die Kleider die wir oben beschrieben haben, tragen nur noch die alte Frauen; sonst haben sie jetzt meist dieselbe Kleider wie ihre Nachbarn, die Ostfriesen und Oldenburger." 19)

Im Laufe der Zeit scheint die Tracht sich auch noch etwas geändert zu haben und auch kommen in den neueren Quellen Abweichungen vor, die Folgen einer lückenhaften Überlieferung sein können. Es ist deshalb nicht ohne weiteres möglich, ein eindeutiges Bild der Tracht zu gewinnen. Weil die ältesten Quellen (Hoche und Hettema) nicht sehr detailliert sind, scheint es angemessen die Beschreibung von Minssen als Grundlage der Untersuchung zu nehmen. Er hat sich längerer Zeit mit dem Saterländischen befaßt in einer Periode als die Tracht noch etwas lebte. Daß diese Beschreibung wahrheitsgetreu ist, wird dadurch noch wahrscheinlicher, daß sie, was die Sonntagskleidung der Frauen betrifft, recht gut übereinstimmt mit dem Bild bei Hettema (Bild 4), obwohl Minssen übrigens Hettema recht kritisch gegenüber stand. 20) Wir werden also auch Bild 4 als Grundlage benutzen, obwohl Nieberding zu Bild 3 und 4 sagt: "Die beiden mitgetheilten Abbildungen geben nicht die eigentlichen Nationaltrachten der Saterländerinnen, sondern die von einigen ins Land gezogenen fremden Mädchen, welche die ihrige mit der einheimischen vermischt haben." 21) Nieberding selbst beschreibt aber nur die Werktagstracht, so daß er offenbar die Sonntagstracht nicht kannte und deshalb wenigstens Bild 4 nicht beurteilen konnte. Mit der Benutzung von Bild 3 als Grundlage für die Werktagstracht werden wir aber etwas vorsichtiger verfahren, weil dort auch die Übereinstimmung mit Minssen nicht ganz so gut ist. Für die Kopfbedeckung sind weiter einige Details aus Bild 1 als Grundlage benutzt worden. Es sind die Grundlageskizzen für die Kopftracht in den Bildern 8 und 9 gegeben und für die Körpertracht in den Bildern 10 und 11.

Die sonntägliche Kopftracht.

Bei Minssen heißt es übersetzt: "An Sonntagen, Feiertagen und bei Hochzeiten oder dergleiche hatten die Frauen ihre Sonntagskleider an, das war: eine Kappe mit Apstiksel. Die Kappe war von bunte Seide, mit goldenen Tressen und daran ein breites Band in dem bunte Blumen und Gold gewirkt waren. Diese Kappe geht über die Hälfte des Kopfes und schließt eng an den Kopf an. An beiden Seiten der Kappe war Apstiksel von Kaante (Spitzen) und unter der Kappe hatten sie vor dem Kopf ein Binnelken aus Spitzen, unter welchem rotes, oder im Trauer blaues Zeug war. Über das Binnelken, aber auch unter die Kappe, ist einen Strimel, ebenfalls von Spitzen."

Auf Bild 4 sind die Kappe und am Stirn das Binnelken mit grauen punktierten Spitzen deutlich zu unterscheiden und auch das durch das letzte blickende dunkelrote Zeug. Auf Bild 1 trägt offenbar nur die Hälfte der Frauen eine Kappe, die im allgemeinen oben etwas runder ist als die in Bild 4; auch sind die Binnelken breiter. In Minssens Wörterverzeichnis S. 80 heißt es vom Binnelken: "Eine Kopfbinde, welche aus einem breiten Batiststreifen besteht und die die Frauen unter dem Apstiksel tragen". S. 99 begegnet für Kopfbinde noch der Name dät Flipken, in Scharrel dät Flöpken. Bei Siebs ist das Binnelken eine unter dem Strimel hervorragende Kopfbinde, die den größten Teil der Stirn bedeckt und die besteht "aus hohle Spitzen mit Rotes darunter." Eine Kopfbinde, niederdeutsch Bindelken oder Bindchen ist es auch nach Nieberding, die damit Hettema kritisiert, die es nennen als "eine kleine Mütze, die der obere Teil den Kopfes bedeckt." Sie haben damit wohl Unrecht und sind vielleicht irregeführt worden von Hoche: "An der Mütze sitzt eine Stirnbinde, an deren Enden das Loogät in den Schläfen fest genäht ist und wieder zurückgeschlagen wird." Es ist zu schließen daß das Binnelken einen etwa zehn Zentimeter breiten Streifen war, die die ganze Haargrenze bedeckte. Auf den Bildern 6 und 7 fehlt es und Bröring kannte es offenbar nicht, weil er den Name für eine andere Kopfbedeckung benutzt.

Bei Apstiksel heißt es in Minssens Wörterverzeichnis (S. 140): "Eine eng an den Kopf anschließende sammetne oder seidene, mit Golddraht verzierte Mütze." Im Mundarttext bei Siebs heißt es: "Das Apstiksel geht so von den Seiten hoch" und bei Hett., wohl verfehlt: "Ein Omstiksel aus Spitzen", wo es nach Kappe und Binnelken genannt wird. Offenbar ist das Apstiksel eine Art Untermütze gewesen, mit dem Akzent auf den Seiten des Kopfes. Es hat seinen Namen wohl von den aufgestickten Verzierungen. Die letzte lassen vermuten daß das Apstiksel auch wohl ohne Kappe getragen wurde. Das könnte auch hervorgehen aus einer Bemerkung Hoches: "Sie tragen Mützen, worüber ein Zeug liegt, welches sie Loogät nennen." Übrigens ist auch aus Hoches Text der Unterschied zwischen Sonntagstracht und Werktagstracht nicht deutlich zu bemerken, obwohl dieser aus seinem Bild doch klar hervortritt. Auf diesem Bild 1 ist das Apstiksel vermutlich zu sehen in dem gefältelten Zeug, das unter das Binnelken herauskommt, über die Ohren geht und unter dem Kinn in einer Schleife zusammengebunden ist. Es soll dann vorallem den Hinterkopf umschließen, wie es in Bild 9a dargestellt ist. Aus der Beschreibung Minssens ist abzuleiten daß es auch wohl über dem Binnelken getragen wurde.

Vom Strimel heißt es bei Minssen (S. 170): "Die Kante, der Strich, die vor Frauenmützen gesetzt werden" und bei Siebs: "Wenn man trauerte (offenbar auch an Werktagen, PK), dann kam eine schwarze Kappe auf mit schwarzem Lint (Band) und einen schlichten weißen Strimel. An Feiertagen kam eine auf aus ein goldenes Stück mit rotseidenem Band und einer Strimel aus Spitzen." Und weiter: "Vorn, an der Stirnseite (der Kappe, PK), war ein Spitzenstreifen (n kaantigen Strimel) eingesetzt." Auch Bröring kennt es: "Die Kappe wurde an der Stirnseite mit einer Verbrämung von flach gefältelten weißen Stickereien oder Tüll (kaantige Strimel) geschmückt." Auch Hett. kennen es als einen Spitzenstreifen oder Rand an der Kappe, während es auf Bild 4 als ein dunkler Rand zu erkennen ist. Viel besser zur Text stimmen die breite weiße Ränder auf den Bildern 6 und 7.

Die Kappe, welche das vom Binnelken zusammengebundene Haar ganz bedeckte, war wohl das schönste Stück der Kopfbedeckung. Auf Bild 4 erscheint es als dunkelgrau (wohl die von Siebs erwähnte Trauerfarbe?), aber bei Hett. heißt es schon: "Eine grüne Kappe mit goldenen Blumen und gelben Bändern." Siebs schreibt: "Uber eine steife Pappform war grüne oder blaue Seide gespannt und mit bunten, goldenen und silbernen Blumen und Arabesken bestickt; in den Kappen, die an hohen Feiertagen getragen wurden, war sogar der ganze Grund mit Gold ausgestickt." Sehr detaillierte Angaben finden wir bei Bröring: "Die Kappe genannte Haube, welche man nur an hohen Feiertagen und bei festlichen Gelegenheiten aufsetzte, wurde gewöhnlich aus blauem, grünem oder rotem, blumig gemustertem, goldgesticktem Seidenzeug gefertigt, durch eingelegten Draht und leichte Wattierungen ausgesteift. Aus einem runden Hinterstück und zwei Seitenteilen war sie zusammengesetzt und hinten weiter als vorn. Von der hinteren Fläche nach vorn lief ein breiter Streifen von Tüll oder buntem Stoffe, den man unter dem Kinn verschleifte."

Die Schönheit der Kappe ist deutlich zu erblicken aus den Bildern 6 und 7, die übrigens sehr wohl dieselbe Kappe darstellen könnten, wobei noch ein Anhängsel im Nacken auffällt, daß sonst nicht begegnet. Auf Bild 6 zeigen sich Streifen mit den Farben rot, gelb (= gold?), blau und weiß; auf Bild 4 ist die Kappe dunkelgrau mit blauen lilien-artigen Blumen. Nur in Bild 6 begegnet eine übergroße Schleife am Kinne. Bild 1 zeigt kleine Schleifen, die aber nur an den Apstikseln zu sitzen scheinen. Bild 4 hat statt dessen lose rote hängende Bände hinter den Ohren. In Bild 7 sind sie hellfarbig und gehen über den Ohren.

Auch wohl zum Sonntagstracht gehörte das von Minssen beschriebene Rundum: "In späteren Zeiten trugen die Weiber auch ein Rundum, das war ein Mützchen das eng an den Kopf an schloß und über den halben Kopf ging. Rundherum war es am Rande mit Spitzen besetzt; der Boden des Rundums war von Seide gemacht und an der Seite mit eine silberne oder goldene Tresse besetzt. Auf den Kopf wird es mit einen Band von Gold- oder Silberdraht festgebunden."

Weiter meldet Minssen: "Die Mädchen trugen früher dieselbe Werktagskleider und auch den meisten Sonntagskleider wie den Frauen, aber Kappe und Rundum trugen sie nicht. Sie hatten auf dem Kopf ein witgoasjen Mutsken (wohl aus dünnem Stoffe, man vergleiche französisch gaze), mit ein Binnelken aus Spitzen darunter, und dann mitten über dem Kopf eine weiße Kaante (Spitzenstreifen) und das hinten umher an beiden Seiten nach den Ohren herunter. Aber das tragen sie jetzt nicht mehr." Dazu stimmt wohl die Beschreibung der Sonntagsmütze der Mädchen, wie Hoche sie in Hollen sah: "Diese Staatsmütze ist aus Gold gestickt, darüber liegt, wie ein Netz, ein weißer, feiner Kantenüberzug, an welchem hinten große Bandschleifen sind, gewöhnlich jetzt von Koklikofarbe. So ist also eigentlich eine doppelte Mütze." (Zu Kokliko vergleiche man französisch coquelico "Klatschmohn".) Ähnlich ist auch wohl die von Bröring erwähnte Mutse: "eine Art Netzhaube, die auch jetzt noch in Gebrauch, hat eine ovale Form. Der Rand ist auf Draht mit schmalen schwarzseidenen Bändern montiert, das Innere mit schwarzen Mullbändern und künstlichen Blumen ausgefüllt; an beiden Seiten laufen zwei breite Bänder herunter und fallen in den Rücken. Das Gesicht und der vordere Scheitel bleiben frei. Die Mütze wird jetzt noch in der Trauerzeit getragen; bei Begräbnissen wählt man statt der schwarzen Farbe die weiße."

Wohl nicht zum gewöhnlichen Tracht gehörte die von Bröring erwähnte Pusse: "Das Binnelken [!] oder die Pusse war ein mit Draht unterlegter hoher Aufbau von Bändern aus schwarzem Flor (Krepp), der kaum den Hinterkopf bedeckte; sie wurde gewöhnlich nur von alten Frauen getragen." Diese Kopfbedeckung sehen wir wahrscheinlich auf Bild 5: dunkele und hellgrüne Bänderschleifen montiert auf eine rotbraune Mütze, die auch den Nacken bedeckt und mit einem rotbraunen Strick unterm Kinne festgehalten wird. Darunter eine weiße Mütze, die aber die Haare an der Stirn frei läßt. Auf die Pusse bezieht sich vielleicht: "Einige Mütze haben auch einen Top (Spitze), der mit Band darauf genaht ist." (Minssen, S. 177). Wie Bröring angibt, wurden zu seiner Zeit Kappe und Pusse noch vereinzelt von alten Frauen getragen. Es braucht deshalb nicht eine sehr alte Tracht zu sein und könnte stimmen mit der von Siebs erwähnte Neeuelkappe: "In neuer Zeit ist statt der Kappe der moderne Hut und die Kragenhaube (Neeuelkappe) eingeführt worden." Diese begegnet auch schon bei Minssen (S. 137) als "eine Frauenmutze besondrer Art." Weiter nennt Minssen (S. 136) die Mutse und die Hulle als "verschiedne Frauenmützen." Die erste Benennung könnte sich wie bei Bröring auf das Rundum beziehen, aber zur Zweiten fehlen weitere Beispiele.

Die sonntägliche Körpertracht.

Wie an Werktagen trug man sonntäglich "ein Hoamd (Hemd) mit Boomkelättere oder Bloklättere, wie das alte Wort ist, weil die Bäume und Namen aus lauter Blöcke gemacht sind." (Minssen). Und weiter im Wörterverzeichnis: "Die Mädchen in Ramsloh und Utende sticken noch wohl in ihrem Hemde, oben am Halse, an jeder Seite der Spange, einen kleinen Baum mit den Anfangsbuchstaben ihres Namens." (S. 84). Siebs sagt dazu: "Auf der Brust waren die Anfangsbuchstaben des Namens mit 'Blocklettere' eingemerkt. Darüber stickte man früher in Kettenstich mit blauem Garn einen Baum mit Vögeln auf den Zweigen." Siebs gibt S. 378 ein von Minssen aufgenommenes Muster dieser Zierde (unser Bild 12). Bei Bröring heißt es in dieser Zusammenhang: "Oben am Halse zu beiden Seiten des Brustschlitzes befanden sich kleine Baumstickereien, darunter in "Blocklettern" die Anfangsbuchstaben des Tauf- und Familiennamens und das Jahr der Geburt oder Hochzeit." Bei Hett. lesen wir: "Boomkelättere oder große Bloklättere und dazwischen ein gestickter Baum." Tatsächlich zeigt Bild 4 mehrere gestickte grüne Buchstaben und ähnliche Figure, umrandet mit rote Punkte, aber keinen deutlichen Baum. Bild 6 zeigt etwas Ähnliches. Hoche jedoch meldet nichts von dieser auffälligen Zierde, die auch auf Bild 1 nicht deutlich zu sehen ist. Auf Bild 5 ist sie in der Seitenansicht nicht zu betrachten, während in Bild 7 das Tuch zu hoch und das Hemd zu niedrig geschlossen ist um die Stickereien zu sehen.

Das Hemd war aus weißem Leinen und am Halse wurde es mit einer silbernen Sponge (Fibel) zusammengehalten (Siebs, Bröring). Auch die Inventaren erwähnen "silbernde Hemdspangen". Auf Bild 4 sitzt die (runde) Sponge hoch am Halse, im Gegensatz zu Bild 6, wo die (herz-förmige) Sponge dem goldenen Kreuze die hochste Stelle überlassen hat. Bröring gibt ein Sonderbild dieser Sponge, die mit Blumen und oben mit Vögeln geschmückt ist (unser Bild 13). Bild 1 suggeriert eine hohe Schließung der Hemde, übereinstimmend mit Hoches Text: "Den Busen bedecken die Saterländerinnen bescheiden, und kämpfen mit der Gewalt der Natur." Rings um den Kragen zeigte das Hemd nach Siebs "Zacken von blauem oder rotem Garn," und nach Bröring: "Eine ganz schmale Bordüre mit feinen Nähten;" die auf Bild 4 in Rot erscheint.

Über das Hemd kam das Wams (Jacke oder Leibchen). "Das sonntägliche Wams war aus blauer oder roter Seide, auch wohl Damast oder Scharlach." (Minssen). Bei Hett. gibt es "rood Scharloaken" und auf den Bildern 4, 5 und 6 ist es rötlich braun; auf Bild 7 dagegen zeigt es helle Blumen auf dunklem Hintergrund. Nach Siebs war es aus Damast oder aus bestickter Seide, nach Bröring "von festem Seidenzeug, Wolle und Baumwolle, mit Gold- und Silberfäden durchwirkt, einfarbig und buntblumig. Die Grundfarbe war gewöhnlich rot, doch neben Rot wurde Blau, Grün und Schwarz getragen; stets aber hatten Rock und Leibchen dieselbe Farbe." Das Letzte meldet auch Siebs, wobei auch von schwarzer Farbe die Rede ist. Zum Fassson sagt Bröring: "Das Leibchen bestand aus zwei Vorderblättern und einem schmalen rechteckigen Rückenblatte, das man auch vielfach wieder in zwei Blätter zerlegte; seinen passenden Sitz erhielt es durch Einnähte. Der Verschluß des Wams geschah mit Haken und Ösen mitten über die Brust herab, oder man schloß es mit einer Schnursenkel, die man in das Futter verlegte und mit einer Zeugleiste verdeckte."

Über die Länge des Wams herrscht Strittigkeit. Hoche schreibt: "Ein Kamisol mit etwas langen Schößen macht einen kleinen Übelstand für ein Auge, welches an die kurzen Taillen unserer Damen gewöhnt ist. Diese Schöße bedecken einen großen Theil des Rockes." Tatsächlich sehen wir auf Bild 1 das Wams etwa 15 Zentimeter über der Hüfte herunterreichen. Bei Minssen heißt es aber schon: "Das Wams hakte unter den Röcken." Damit übereinstimmend reicht das Wams auf den Bildern 4, 5, 6 und 7 nicht über der Taille. Auch Bröring schreibt: "Das Bund (des Rockes) hatte man über dem Leibchen zu."

Die Sleeue (Ärmel) des Wams gingen nach Minssen "eben über den Ellenbogen und waren vorn an den Armen mit goldenen oder silbernen Tressen besetzt und hatten auf jeden Arm einen goldenen oder silbernen Knopf, womit es (d.h. den Ärmel) zugeknöpft wurde." Hierzu paßt Bild 4 mit gelben (= goldenen?) Tressen, und der Länge nach noch besser Bild 5, sei es daß dort die Tressen braun sind. Diese Länge zeigen auch die geräumige Ärmel der Bilder 6 und 7, die auf blauem bzw. dunklem Grund weiße Ränder und Blumen vermuten lassen. Auch Siebs erwähnt nur kurze Ärmel mit Goldtressen, aber Bröring kennt neben den halbkurzen Ärmeln auch lange, und auch diese mit Gold- oder Silbertressen versehen.

Nach Bröring wurde bei kurzen (= halbkurzen?) Ärmeln der Unterarm vom Ellenbogen an mit Äärmhansken (Ärmelhandschuhen) bedeckt, die in einer Tunge (Zunge) über den Handrücken bis zu den Fingern reichten. "Eigentliche Handschuhe waren das nicht, sondern eine Art verlängerter sogenannte Pulswärmer, da sie die hohle Handfläche unbedeckt ließen. An den Handwurzeln wurden sie mit goldenen oder silbernen massiven oder Filigranknöpfen zugeknöpft." Auch Siebs erwähnt sie und nach Minssen sind sie "rot oder bunt, von Wollgarn gestrickt." Die Tunge heißt dort Klappe. Nach Hett, sind sie rot und auf Bild 4 rosa, während auf einer Hand die Klappe aufgeklappt ist. Bild 5 und Bild 6 zeigen sie blau-violett mit niedergeschlagenen Klappen.

Nach Minssen trugen die Frauen an Feiertagen oder auf Hochzeiten und Beerdigungen statt des Wamses auch wohl ein Kersch’ien oder Kirsk’ ien. "Dieses war ein Bißchen länger als ein Wams und ging, während das Wams unter den Rocken hakte, darüber her. Die Ärmel gingen eben über den Ellenbogen mit Snabben daran. Dieses Kerschien war gemacht aus buntseidenem Stoffe." Im Wörterverzeichnis heißt es: "Eine Frauenjacke von feinem Stoffe , die bei festlichen Gelegenheiten und als Trau-anzug getragen wurde; man sieht sie nur noch einzeln." (S. 117). Weil weiter noch gemeldet wird, daß es von Mädchen nicht getragen wurde, so ist es offenbar ein Vorgänger des Wamses. Dazu stimmt daß es wie das Hochesche Kamisol über den Rocken ging. Der Name Kerschien fehlt aber in allen anderen Quellen. Außer dem Saterländischen ist der Name vielleicht zu vergleichen mit kas(a)kijntjen, das in der besonderen Tracht des westfriesischen Städchens Hylpen (Hindelopen) vielleicht eine Jacke bezeichnet hat und das außerdem um 1760 in der Provinz Nord-Holland erwähnt wird als eine kurze Jacke, die damals ein neues Trachtstück sein sollte 22). Vielleicht ist es abgeleitet aus französisch casacuin, 'kurze Unterjacke', das auch als Grundform des mittelhochdeutschen kasagân 'Reitrock' betrachtet wird 23).

Für dem Wort Snabbe fehlt eine weitere Erklärung. Dasselbe Wort ist wohl altfriesisch snabba 'Mund' 24), mittelniederdeutsch snabbe 'Schnabel; Schuhschnabel' 25), mittelniederländisch snabbe 'Schnabel' 26), gröningisch snabbe 'alter Name für ein Kahn mit spitzem Steven' 27). Diese Wörter sind verwandt mit Schnabel und deuten offenbar immer auf etwas Spitzes. Die Snabben sind deshalb wohl die dreieckigen Umschlägen an den Ärmeln auf den Bildern 4 und 5, wo sie offenbar die Farben (lichtbraun bzw. blau) der Innenseite des Wamses zeigen. Wie bei den Klappen könnten sie in früheren Zeiten vielleicht auch ausgeklappt werden, wobei sie dann einen sehr spitzen Eindruck machen mußten, vorallem hei der Form die Bild 5 zeigt.

"Um den Hals hatten sie ein gelbes oder sonst ein buntes Randdouk (Umhängetuch mit bunten Blumen darauf)" (Minssen). Auch bei Hett. heißt es: "gelbes Randdouk mit Blumen" und damit übereinstimmend zeigt Bild 4 ein dunkelgelbes Tuch mit dunkelroten lilienartigen Blumen. Es reicht weit über den Schultern hinüber und ist vorn offenbar festgesteckt mit Nadeln. Auch die mit Kappen geschmückten Damen auf Bild 1 tragen solche große Tücher, die hinten mit einer lose hängenden Spitze bis ungefähr zur Taille reichen, aber als Muster nicht mehr als ein dunkler Band zeigen. Auf Bild 5 reicht es eben über den Schultern und zeigt dunkelrote Blumen auf lichtrotem Grund und dazu waagerechte blaue Streifen und senkrecht grüne würfelartige Verzierungen. Es hat ein roter Rand mit Fransen, hängt wie in Bild 4 weit vorm Bauch und ist offenbar in der Taille festgesteckt. Nach Bröring "verwendet man sie in allen Stoffen und Farben, von Baumwolle, Wolle, Leinwand und Seide, weiß (bei Trauer) und farbig, quadriert, streifig und blumig, stets aber franzig." Fransen zeigen aber nur die Bilder 5 und 6; Bild 1 und Bild 4 haben nur rechte Ränder, während das helle geblümte Tuch auf Bild 7 einen Spitzenrand zeigt. Nach Siebs hatten die Tücher einen roten Grund mit bunter Rand, doch wurden die weiße Tücher immer an Feiertagen getragen! Bröring sagt weiter: "Etwa 5 Zentimeter vom Rande ist rundum ein breiter andersfarbiger Streifen eingewebt, von dem das Tuch den Namen Randdouk erhalten hat (auf Bild 4 fehlt dieser Rand). Meistens ist das Randtuch viereckig, wird aber zu einem Dreieck zusammengefaltet, vom Nacken her über die Brust gefaltet und gekreuzt unter der Schürze verborgen." Diese unschöne Befestigungsweise begegnet nur auf Bild 6; auf Bild 1 ist es eher unter das tief ausgeschnittene Wams gesteckt, während die übrige Bilder Fibel- oder Nadelheftung vermuten lassen. Tatsächlich erwähnen die Inventare neben weiße und "bunt Catune" Halstücher auch eine goldene Tuchnadel. Auch reicht auf Bild 6 das Tuch über den Ellenbogen, vielleicht um am Halse noch einen Teil des steinroten Wamses zeigen zu können? Auf diesem Bilde zeigt das Tuch breite grüne Streifen mit gelben und weißen Blumen. Bröring schreibt: "Hinten in der Mitte des Nackens steckt man dasselbe am oberen Rande zusammen, so daß sich ein dicker Faltensaum bildet; mitten in der Rücken steckt man es an dem Wams fest."

Weiter hatten sie nach Minssen um den Hals "eine silberne Kette, mit vorn ein silbernes Kreuz daran, während das Schloß der Kette auf den Nacken hing; ein zweites Kreuz war auch aus Silber oder auch Gold, aber hatte eine andere Form; es hing an einem sammetnen Band, das hinten im Nacken mit einem Schloß zugemacht war." Nach Hett. waren die Schlösser aus Silber. Auf Bild 4 sehen wir die beiden Kreuze von Gold, wobei das Kreuz an der Kette deutlich länglicher ist (Kleeblattkreuz). Auf Bild 5 erscheint nur das Johanniterkreuz an dem sammetnen Band; es ist schwarz (Silber?). Bei Hoche lesen wir nichts von Kreuze und auch Bild 1 zeigt sie nicht. Siebs erwähnt nur ein goldenes oder silbernes Kreuz das die Frauen mit einem Sammetband um den Hals trugen mit Haken oder einem Schloß auf dem Nacken. "Mädchen hatten eine silberne Kette mit einem Kreuz in fünf Strangen um den Hals mit einem Schloß auf dem Nacken."

Der Schmuck spielte nach Bröring bei den Saterländern eine große Rolle: "Selbst unter armen Frauen war eine Festbekleidung ohne Schmuck nicht denkbar. Häufig war jeder Finger an der linken Hand mit goldenen Ringen besteckt. Um den Hals trugen sie einen schmalen Sammetstreifen, an dem ein goldenes Kreuz hing. Straff über dem Sammetstreifen lag eine dreisträngige Silberkette, die im Nacken mit einer großen reichverzierten Schließe versehen war; von der Schließe reichte ein vierter Strang, daran ein schweres Silberkreuz, in weitem Bogen auf die Brust herab. Die Mitte der Brust schmückte die kunstvoll gearbeitete goldene Gadderke", ein schöner Hänger mit Kreuz, von dem Bröring ein Sonderbild gibt. Ein noch schöneres Exemplar erscheint im Bild bei Peßler 28). Bei Minssen (S.102) heißt es: "Gatternge, ein goldner Schmuck, der von Frauen an einem sammetnen Halsbande getragen wird. Bild 6 zeigt in Abweichung zu Brörings eigenen Beschreibung noch extra ein drittes Kreuz am Halse, an dessen Stelle wohl eher die Sponge gehört. Die silberne Kette hängt nach links und das daran hängende Kreuz ist undeutlich; es könnte auch eine Uhr sein. Weiter heißt es: "Die Ohrringe waren schwer und groß, und stets von Gold; sie hatten eine Halbmond-Form und wurden vielfach mit einem besonderen Häkchen am Ohr befestigt." Minssen erwähnt auch noch die Böägeltaaske, "die Tasche welche die Frauen sich unter den Kleider an die Seite binden." (S. 174.). Die Inventare sind auch recht ergiebig soweit es Schmuck anbetrifft: "Zwey goldene Ringe, eine silbernde Halskette, ein silbern Kreuz, ein goldenes Schloß mit Haken, zwey goldene Hals Kreutzer, 1 goldene Kette mit Kreuz, 4 goldene Fingerringe, zwey Paar silbernen Ohrringe, 2 Paar goldene Ohrgehänge, ein goldener Uhr, vier goldene Knöpfe, zehn silberne Knöpfe" usw.

"Dann kam der buntseidene oder damastene Rock, mit großen Blumen darauf. Oder sie hatten auch wohl einen scharlachenen oder einen aus Tuch oder Kamelott 29), Grain (buntgestreiftem Zeug aus Kamelhaar), Kamink, Serge, Stoff (einfarbigem Baumwollenzeug) oder auch buntgestreifte. Um tuchene und scharlachene Röcke hatten sie Bestämmelse aus grüner oder blauer Seide, und auch wohl goldene Tresse um herum." (Minssen). Bröring sagt hierzu: "Der Rock war meistens von dickem Wollstoffe, namentlich von Bieber oder von Beiderwolle d.h. von Wolle mit leinenem Einschlage, oder auch von schwarzer Glanzleinewand oder von Damast mit eingewirkten Blumen und Ranken; vielfach wurden Längsstreifen eingewebt und durch andersfarbige Querstreifen verziert. Vorzugsweise wählte man Rot, Grün oder Schwarz. Im Schnitte bildete der Rock einen Kreis und zeigte vorn einen Schlitz, der durch die Schürze verdeckt wurde, sowie unten herum einen schmalen Saum von andere Farbe; das Bund hakte man aber dem Leibchen zu. Meistens wurden die Röcke so zahlreich übereinander getragen, daß sie das Aussehen einer geschwellten Glockenform erhielten. Bei Regen, Schnee und grimmer Kälte pflegte man den Rock über den Kopf zu nehmen und wählte deshalb für den Unterrock, namentlich für den festtäglichen, einen guten Stoff von leuchtender Farbe, am liebsten von blauer; doch war es auch Sitte, selbst beim schönsten Wetter den links unteren Rand des Rockes über die linke Schulter zu legen, während derselbe an der rechten Seite in natürlicher Weise herunterhing. Stets ließ der Rock die Knöchel blicken; oft stieg er kaum über den unteren Ansatz der Waden herab."

Gemäß der Vielheit von Stoffen zeigt Bild 4 ein rotbrauner Rock mit einem gelben und einem dunkeln Streifen unten umher (Hett.: "Rot scharlachener Rock mit goldener Tresse und blauem Bestämmelse unten umher,"), während auf Bild 5 der Rock dunkelrot ist mit einem schmalen hellgrünen Saum und auf Bild 6 blau-violett mit weißen Blumen. Jedesmal ist das Wams gleich gemustert, obwohl in Bild 5 etwas bräunlicher als der Rock. Der grüne Saum stimmt gut zu Siebs: "Unten um den Rock zog sich ein farbiger, meistens ein grüner Besatz (Bestämmelse)." und: "War das Wams von schwarzem Tuche, dann war der Rock gleich so; war das Wams rot, dann war der Rock auch rot, mit buntem Bestämmelse umher." Der schwere Rock von Bild 6 zeigt ein pelzartiger Saum. Auf Bild 7 ist der Stoff dunkel glänzend, ohne das ein deutliches Muster zu verkennen ist. Die Glockenform infolge der vielen Unterröcke zeigt sich am besten in Bild 5.

Übrigens erklärt der von Bröring erwähnte Nachdruck auf den Unterrock auch den besonderen Namen Waanken, der Minssen dafür nur einmal in einem Sprichwort erwähnt. Dieses Wort ist von W.J. Buma 30) verbunden mit dem seit 1626 überlieferten hindelopenschen wen(t)ke, "ein langes Oberkleid mit engen Ärmeln, stark tailliert und mit einem in vielen Glocken weit auslaufenden Rock." 31) Es ist offenbar ein kostbares Kleid, was es also mit dem saterländischen Waanken gemein hat. Damit unterscheidet es sich auffällig von den etymologisch identischen Wörtern emsländisch Wenken 'Hausjacke' und mittelniederdeutsch wen(ne)ke, das ein weites grobes Kleidungsstück zu bezeichnen scheint.

"Um die Taille hatten sie noch ein seidenes Band mit bunten Blumen und goldenen Tressen am Rande durcharbeitet." (Minssen). Auch bei Hett. heißt es "Ein Band um die Taille mit einer goldenen Tresse," bei Siebs aber: "Ein band von seidenem Lint" und: "Ein einfaches Seidenband, eine Schärpe." Von einer Schoarte 'Schürze' erfahren wir bei Minssen nichts; bei Hett. aber ist sie aus rotem Damast und auf Bild 4 erscheint sie dunkelbraun bis violett, etwas dunkler als der Rock und auch beträchtlich kürzer. Auf Bild 1 reicht sie gleich weit als der Rock und ist an den Gürtel aufgehängt. Bei Siebs heißt es: "Die Schürzen waren schwarz oder rot oder grün, gleich wie die Kleider waren." Eine hellgrüne Schürze, etwas kürzer als der Rock, zeigt sich auf Bild 5. Bild 6 zeigt eine Steinrote mit schwarz-weißen, wohl lilienartigen Blumen, wobei das Schürzenband deutlich zu sehen ist. Ein schönes Muster mit Blumen und Streifen zeigt Bild 7. Bröring teilt mit: "Ohne Schürze, welche man werktags zum Schutz des Rockes und festtags zum Putz anlegt, ist ein voller Anzug nicht denkbar. In der alten Zeit war die Schürze nach Vermögen von Seide, Wolle oder Baumwolle, glatt und gewöhnlich buntblumig gemustert auf rotem Grunde; oben hatten sie einen Bund, an dessen Enden die Bindebänder, die häufig von andersfarbigem seidenem Stoffe, befestigt waren; man verschleifte sie im Rücken."

Auch hier sind die Inventare recht ergiebig; 1832 "3 bunt greinen frauen Rocke, 2 Tüchene Überrocke, 3 schwarz seidene Schürze und 2 bunt Catune;" 1848: "6 Kortingene und Baumwollene Röcke, 2 Frauen Schürzen und 2 Catunen do" und vielleicht zum Schließen 1832: "ein paar silbern Haken." Die Modetracht ist wohl schon abzusehen an: 1832 "1 Schwarz Tuchenen frauen Kleid, 1 do seidenes do, 3 bunt Catune, 1 Bieber do, 1 Blau Tuchen frauen Kleid" und 1848: "9 Kattune und Merino Kleider, 1 seidenes Kleid, 1 cratingenes do" und 1856: "6 Frauen bunte Kleider.'' Oder sind in "Kleid" der Rock und das Wams zusammen genommen? Minssen schreibt S. 119 dazu: Kloode sind die Frauenkleider, d.h. bloß das Kleid, ohne Tuch, Strümpfe usw. in der Mehrzahl."

Zur Fußbekleidung schreibt er: "Dann hatten sie blau gefulde Hoose (Strümpfe) mit roten Klinken (Zwickeln) daran, wo noch einen Klinkekop drauf saß. An den Füßen trugen sie Schuhe mit silbernen Gaspe oder Sponge (Schnallen)." Ohne den Klinkekop (wohl eine gestickte Rosette?) finden sich diesen Strümpfen auch auf Bild 4 und im Text bei Hett., wo es weiter heißt: "Gefulde Hoose sind Strümpfe, die gefüllt, glatt gemacht sind an der Außenseite, wie man auch das Laken füllt." Es ist hier wohl eine Art walken gemeint. Klinken sind nach Hett."auf den Knöcheln der Strümpfen festgeheftete oder genähte Verzierungen," welche Erklärung aber von der von ihnen vermutete Zussammenhang mit englisch to cling 'heften' beeinflußt sein könnte. Auch bei Siebs gibt es "gefulde Hoose von wollenem Garn mit roten Zwickeln, wobei gefuld übersetzt wird als 'mit Falten'. Auf den Bildern 1 und 5 sind die Strümpfe einfarbig und auf dem Letzten hellblau. Bild 6 läßt die Farbe nicht erkennen, aber Bröring schreibt: "Die Strümpfe wurden meist in Violett (sangen), Rot, Schwarz oder Weiß getragen; über der Ferse befanden sich Zwickel mit besonderem Muster und absteckender Farbe." Bild 10 zeigt helle Strümpfe.

Die Schoue (Schuhe) waren nach Bröring "durchweg Knöchelschuhe und mit Laschen und großen silbernen Schnallen zum Verschließen eingerichtet. Die Bilder 4 und 6 zeigen niedrige plumpe schwarze Schuhe mit etwas gerundeten Spitzen. Auf Bild 1 sind die Absätze etwas stärker. Bild 5 zeigt ein abweichendes Modell ohne Schnallen. Silberne Schuhschnallen begegnen auch im Inventar von 1832.

Die werktägliche Kopftracht.

Diese weicht von der Sonntäglichen erheblich ab. Bei Minssen heißt es kurz: "Auf dem Kopf trugen sie ein Ooriersen (Ohreisen); darüber hatten sie ein Mutsken, das bei den Ohren an dem Ohreisen festgesteckt war. Gingen sie nun zum Arbeiten heraus, dann setzten sie den saterländischen Houd, (Hut) auf, die von Zweige gemacht wird." Im Wörterverzeichnis heißt es bei Ooriersen: "Ein silberner Reifen, den die Frauen unter der Mütze tragen, um die Haare zusammenzuhalten." (S. 141). Obwohl es Hoche in Scharrel offenbar nicht aufgefallen war, sah er es später bei einigen jungen Mädchen in Hollen: "An ihnen bemerkte ich einen Theil des Kopfschmuckes, den ich bisher, ich weiß nicht warum, nicht genau betrachtet hatte. Sie nennen ihn Ohrysen. Dies ist aber selten von Eisen gemacht, sondern von Silber oder ächten Golde, und hat die Form eines halben Ringes. Dies Ohrysen legen die Mädchen über die Haare auf dem Hinterkopfe so, daß die beiden breiten Enden über den Ohren hervor, bis an die Augenbrauen, treten. Dann setzen sie die Mütze über die fliegenden Haare, die Schultern und Busen bedecken, ziehen die Zipfel über die Ohren herab, und befestigen sie an dem Ohrysen. Zu diesem Zwecken sind in dem Ohrysen, vorn, wo es in der Schläfe liegt, zwei kleine Löcher von oben nach unten, dadurch stecken sie Nadeln, die die Mütze festhalten. Dies ist ein Hauptstück des Putzes junger Mädchen, und ich gestehe, daß der Glanz des Goldes in der Schläfe, welcher durch die feinen weißen Kanten des Logetts dringt, mit den blonden Haaren und blauen Augen, viel Wirkung hat." In Bezug auf den späteren Quellen ist aber eher an Messing zu denken; sogar das Inventar aus 1832, das nach Hoches eigenem Zeugnis doch eine der reichsten Familien des Saterlandes anbetrifft, erwähnt nach "sechs silbernde Hemdspangen" nur "ein dito Ohreisen." Schon der Gröninger N. Westendorp, der 1813 das Saterland besuchte, erwähnte das silberne Ohreisen als der einzige Teil der Kleidung in dem die Saterländer sich nach seiner Ansicht von ihren Nachbarn unterschieden und mit den Gröninger, Westfriesen und Einwohner der Provinz Nordholland übereinstimmten 33). Diese Beziehungen werden weiter behandelt von J. Winkler in seiner Sonderarbeit über diesem Gegenstand. Dabei stützt er sich weitgehend auf Hoche, aber erwähnt dazu ohne Quellenangabe, daß die saterländischen Frauen auch im Bette das Ohreisen nicht ablegten 34).

Auch Nieberding beschreibt das Ohreisen ziemlich ausführlich: "Eine Mütze, welche durch ein silbernes Ohrysen (einem Bügel, welcher durch den Rand der Mütze hinten um den Kopf liegt, und dessen in Platten auslaufenden Enden auf die Backen stark anschließen) befestigt wird." Bei Hett. lesen wir: "Das friesische Ohreisen, oder besser die silberne Ohrknöpfe, gehen mit einer kupfernen gebogenen und schmalen Stange an den Seiten des Kopfes hoch und um den Hinterkopf herum." Bei Siebs heißt es: "Das Strikelbeend wurde festgehalten durch einen metallenen federnden Bügel, der sich um den Hinterkopf legte und über den Ohren an den Schläfen anklemmte" und: "Das saterländische Ohreisen ist ein schmaler silberner Bügel ohne Zierde, nur zu praktischem Zwecke bestimmt." Bröring zuletzt beschreibt es als "einem federnden Reifen aus Silber; es schmiegte sich an den Hinterkopf und klemmte sich über den Ohren an den Wangen fest.°

Zur Funktion des Ohreisens sind auch die weitere Trachtstücke einleuchtend. Zuerst das Strikelbeend. Minssen erwähnt es nur im Wörterverzeichnis: "Ein Band, womit früher die Frauen ihre Haare zusammenbanden, um das Mutsken oder das Apstiksel darüber setzen zu können; die Mädchen tragen jetzt die Haare ganz frei herunterhängend." (S. 169). Bei Hett. (S. 250) ist es ein "Band, womit die Frauen die Haare aufbinden." Siebs schreibt: "Ein Strikelbeend um den Kopf, der war von wollenem Band" und: "Alle Friesinnen, wenigstens die Verheirateten, pflegten das Haar verborgen zu tragen. Die Saterländerinnen banden es zunächst mit einem Strikelbeend zusammen, einem langen wollenen Haarbande, mit dem der Kopf mehrmals unwickelt ward." Und Bröring: "Das Haar trug man wie auch heute noch über der Stirn mit einem schmalen Scheitel geteilt und faßte es mit dem Strikelbeend, einem wollenen Faden, zusammen, das an das Ohreisen befestigt war." Die Bröringsche Auffassung wird die richtige sein, weil auf Saterländisch das Wort Beend oft einen Faden andeutet, z.B. Pakbeend 'Bindfaden'.

Aus diesen Beschreibungen tritt das Ohreisen hervor als eine Haarklemme, die dazu noch das Strikelbeend fixieren soll. Andererseits sollte offenbar auch noch das Mutsken daran befestigt werden. Weil das Ohreisen also gewöhnlich bedeckt war, ist es wohl ein Glücksfall, daß wir es auf Bild 2 unbedeckt sehen. Erhitzt durch die Arbeit hat die Frau Hut und Mutsken abgelegt. Das Ohreisen zeigt sich als ein schmales gelbes Band, das oberhalb den Ohren schief nach hinten geht und mit einen großen Bogen in die Haare verschwindet. Vielleicht ist hier ein anderes Ohreisen zu vergleichen, das sich als Inv. Nr. 6638 im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte zu Oldenburg befindet. Es trägt ein Emdener Goldschmiedezeichen, wurde aber 1937 im Kunsthandel Wilhelmshaven erworben mit einer zugehörigen Haube aus weißer Baumwolle mit buntem Blumenaufdruck 35). Dieser Bügel aus Messing biegt sich rechteckig nach oben, etwa an derselben Stelle wie jener auf Bild 2, um mit einem Bogen hinten über den Kopf zu gehen. Hierzu könnte etwa die Beschreibung bei Hett. stimmen.

Auf Bild 2 scheint das Ohreisen vor den Ohren scharf nach unten gebiegt zu sein und über den Schläfen zu gehen. Es könnte dieses stimmen mit den Platten Nieberdings, die sich aber auch beziehen können auf viereckigen Platten wie die goldene die am oldenburger Exemplar angenietet sind. Auf Bild 1 sind bei den beiden rechten Frauen Spuren von Vierecken über den Augen zu sehen. Bei Hett. finden wir an dieser Stelle offenbar noch eine andere Zierde, während nach Bröring auch bisweilen die Ohrringe am Ooriersen befestigt wurden. In der Brücke zwischen der Bügel und jede Platte findet sich im oldenburger Exemplar ein kleines Loch, wohl dieselbe wie sie auch Hoche beschreibt. Bild 2 zeigt ein solches Loch in der vordere Biegung. Auch bei Siebs heißt es: "Das Mutsken wurde an beiden Wangen mit einer Knopfnadel festgesteckt." Daß das Ohreisen durch den Rand der Mütze gesteckt ist, wie Nieberding meint, beruht wohl auf mißverstehen von Hoches Text. Aus Bild 2 läßt sich nur mangelhaft sehen, wie das Strikelbeend um die Haare gewickelt ist. Wohl deutlicher zeichnet sich dieses ab an den Falten in dem Mutsken bei jenen Frauen auf Bild 1 die einen Hut tragen. Dies ist als Grundlage der Rekonstruktion in Bild 8 genommen.

Die auf Bild 1 geschilderte Biervisite war wohl eine ziemlich festliche Angelegenheit und demgemäß sind die Gastgeberin und drei ihrer Gäste in Sonntagstracht gekleidet. Die vier Frauen mit Hüte aber stimmen vorallem in der Kopftracht zu den späteren Beschreibungen der Werktagstracht. Als solche werden wir sie deshalb im Folgenden betrachten, obwohl es auffällig ist, daß gerade diese Frauen jünger aussehen im Gesicht als die andern. Ist vielleicht die Sonntagstracht der Mädchen später zur Werktagstracht der Frauen geworden?

Das Mutsken schließt auf Bild 1 hinten ganz um die Haare, mit einer Einschnürung auf der angenommenen Stelle des Strikelbeend. Es könnte sich dadurch ein Band ziehen, das dann mit dem Strick im Nacken angezogen und festgebunden wäre. Weiter nach vorn reicht die Mütze noch mit einem gerunzelten Rand über den Wangen, worauf sich wohl die von Hoche erwähnte "Zipfel über den Ohren" beziehen. Seine "fliegende Haare" sind aber nicht zu erkennen und gehören deshalb wohl nur zum Mädchentracht. Bei Nieberding heißt es: "Unter dem Hute eine eigene, altfriesische, mit rothem Bande stark besetzte Mütze" und bei Hett. lesen wir (S. 110): "Die bunte Mütze, die um das ganze Obere des Kopfes anliegt und mit Langetlint unten verbrämt ist, hat dasselbe Modell als jene, die bis vor einigen Jahren von kleinen Mädchen der Landleute in Friesland getragen wurden. Im Saterlande werden diese Mützen, wie auch die Ohreisen, jetzt weniger getragen als früher. Noch weniger sieht man die Zipfelmützen ("tipmutsen", ein zur westfriesischen Frauentracht gehörigen Ausdruck un deshalb wohl mit Vorsicht zu betrachten), mit Spitzen von einer oder anderthalber Hand Breite gesäumt, die, vor dem Kopfe hervorragend, nach unten abfällt und vorn in einen Zipfel oder einer Spitze ausläuft. Diese Mütze nahm im Saterlande die Stelle ein, die bei uns von densogenannten runden, waagerecht hervorstehenden und mit nach das Modell der Mütze gebogenen Eisendraht unterstützten, deutschen Spitzenmützen eingenommen wurde." Das könnte aber auch einen früheren Sonntagstracht beschreiben, weil im folgenden Satz mit dem "heutigen Sonntagstracht" angefangen wird. Auf Bild 3 ist trotz dieser Beschreibung keine Mütze zu sehen. Bei Minssen heißt es noch (S. 136) vom Mutsken: "Die Frauenmütze, mit darunter Ooriersen und Strikelbeend." Nach Siebs wird das Ohreisen "verdeckt durch eine Mütze aus rotem Florzeug, die mit grünem Band eingefaßt ist." In den Inventaren heißt es 1832: "4 bunt Catune Frauen Mützen, 2 Mützen," 1848: "8 Mützen" und 1856: "3 Frauen Mützen."

Vom schon bei der Sonntagstracht genannten Loog'ät heißt es bei Minssen (S. 129): "Ein Streifen buntgestreiften Zeuges der vor dät Mutsken genäht wird," was sich auf den gerunzelten Ränden von Bild 1 beziehen kann. Bei Hoche sahen wir schon daß es aus weißen Spitzen bestand. S. 240 nennt er es: "Klappen und Schneppen an den Weibermützen," was ein stärker gezipfelter Rand voraussetzt. Bei Hett. lesen wir (S. 241): "lágèt, Langet an der Zipfelmütze." Niederländisch und westfriesisch langet, gröningisch leget 'geschmückter Rand an den Frauenmützen' ist auch wegen der Endbetonung vielleicht abzuleiten von franzözisch languette 'Zünglein'. Nur die schon genannte Erläuterung Hoches: "Mützen, worüber ein Zeug liegt, welches sie Loogät nennen" stimmt nicht ganz zu einem Mützenránd, aber hier könnte leicht der Rand als das Ganze aufgefaßt worden sein, weil gewöhnlich nur der Rand deutlich unter der Hut hervorragt. Hoche fährt fort: "An der Mütze sitzt eine Stirnbinde an deren Enden das Loogät in den Schläfen fest genähet ist und wieder zurückgeschlagen wird." Müßte man also annehmen daß das Loogät nur an den Seiten und nicht an der Stirn saß, weil es dort doch meistens bedeckt sein würde? Oder ist es nur an den Seiten befestigt während es doch über die Stirn geht? Daß diese Beschreibung sich auf die Werktagstracht oder wenigstens auf die Huttracht beziehen muß, zeigt sich im Folgenden:

"Auf dieser Mütze tragen sie einen großen schwarzen Strohhut [Houd], in der Form eines halben Mondes, wovon die gerade Linie hinten, die Rundung vorn ist, die weit heraussteht, und zu Schutz gegen Regen und Sonne dient. Der Kopf des Hutes ist flach; zwei Bänder binden ihn unter dem Kinne fest. Dieser Hut ist ein nothwendiges Stück ihres Putzes, und tragen sie ihn nicht auf dem Kopfe, so haben sie ihn in der Hand. Bei den Gröningischen Damen sah ich solche Hüte noch viel größer und mit Wachstuch oder Taffent überzogen." Diese Beschreibung stimmt ganz zu Bild 1, wo wir auch noch ein Band um den Kopf des Hutes sehen. Nieberding sagt: "Die Weiber tragen einen flachen, weißen, mit vielen rothen herumflatternden Bande besetzten Hut von Holzgeflechte, welches in Ostfriesland gekauft und im Saterlande zusammengenäht wird." Bei Hett. heißt es (S. 23): "Ihre landeigene Kappe [!] mit einer ganz runden und flachen Kopf, vorn breiter als hinten und untern Kinne mit einem roten Band festgemacht." Und: "Der Kopf wird bedeckt mit einem kleinen flachköpfigen, groben Hut aus Stroh, an welcher rotes Band sitzt, das oben mit fünf losen Schlingen durcheinander geflochten liegt. Um den Hut festzuhalten ist ein gleiches Band daran, oben bei der Kopf an beiden Seiten befestigt, das über den stehenden und ganz runden Rand geht und weiter unterm Kinne entlang." Zu diesem stimmt Bild 3 in den meisten Sachen. Von der Hut selbst sehen wir nur den gelben Rand; der Kopf aber ist bedeckt von den hell roten Schlingen. Siebs und Bröring kennen offenbar diesen alten Hut nicht und sprechen nur von den modernen Hut, der die alte Kopftracht verdrängt. Die Inventare geben 1832: "1 Huth," 1856: "2 Frauen Húthe" (und dazu: "1 Regenschirm"!).

Die freie lange, offenbar von einem Scheitel auf der Stirn ausgehende Haare auf Bild 3 stimmen nicht zu: "Die Haare werden kurz abgeschnitten" bei Hett. (S.118). Auch Bild 2 zeigt lange Haare. Strikelbeend und Binnelken sind auch deutlich vorgesehen um die Haare zusammenzubinden. Die Mädchen trugen nach Hoche und Minssen offenbar die Haare frei. Minssen erwähnt S. 163 noch die Snurre, "eine Mütze wie sie die Mädchen tragen, die nur den Hinterkopf bedeckt und auf der Spitze mit bunten Bändern verziert ist."

Die werktägliche Körpertracht.

Nach Minssen waren auch an Werktagen die Hemde geziert mit Boomkelättere und mit einer Sponge geschlossen. Bild 3 zeigt rote Punkte ringsum den grünen Boomkelättere; das Hemd ist weiß, die Sponge ist herzförmig. Die silberne Sponge als Werktagstracht wird ausdrücklich von Hett. erwähnt, wie auch, daß die Hemdsärmeln bis oberhalb der Ellbogen hoch aufgeknüpft wurden. Auf Bild 2 erscheint auf dem weißen Hemde nur die silberne Sponge. Nieberding schreibt: "Im Hemde auf der Brust eine silberne Schnalle, und an beyden Seiten derselben große gestickte Buchstaben, auch noch wohl Blumen, welche zwischen dem auf eigene Weise umgeschlagenen Tuche hervorscheinen." Dieses Tuch fehlt auf den Bildern 2 und 3, wobei das Erstere einen grauen (wohlsammetnen) Halsband mit einem Kreuz zeigt, wie es auch bei Hett. erwähnt wird. Auf Bild 1 sind die Halstücher der Tageskleidung deutlich viel kleiner als die der Sonntagstracht und reichen nicht wie diese überden Schultern, sind aber wohl vorn in das Wams gesteckt. Nach Hett. ist es: "Ein buntes Tuch, auf der Höhe der Taille mit Nadeln festgesteckt." Minssen nennt es nicht.

Über dem Hemd "trugen sie einen Rump aus rotem Boi 36), ohne Ärmel," und im Verzeichnis fügt Minssen hinzu: "Di Rump, ein Kamisol mit Armlöchern, ohne Ärmel; auf der Brust zugehakt." (s. 152). Nach S. 183 wurde darunter ein Unnerwams getragen. Der Rump erscheint bei Nieberding wahrscheinlich als "ein rothes Unter-Kamisol" und auf Bild 3 als ein dunkelbraunes und vorn ausgeschnittenes Kleidungstück, das unter den Rock verschwindet. Auf Bild 2 scheint es zu fehlen (wohlwegen der Wärme!). Siebs kennt es nicht, obwohl er es für Nordfriesland anführt. Auch bei Bröring fehlt es. Im Inventar von 1832 erscheint es vielleicht als "2 Futterhemde."

Nach Minssen kommt über den Rump "ein Wams mit kurzen Ärmeln, die eben über den Ellbogen gingen; dieses Wams war gemacht aus grüner Serge." Auf S. 183 fügt er hinzu, daß es noch über die Hüfte hinüber geht. Die lose hängende dunkelgelbe Jacke auf Bild 3 zeigt übereinstimmend langen Schößen, aber auch sind die Ärmel lang! Der Text bei Hett. gibt dagegen: "Eine dunkelfarbige lose hängende Jacke ohne Ärmel," was aussieht wie eine Mischform von Wams und Rump. Die Bilder 1 und 2 zeigen wieder lange Ärmel und Schöße und das am Hals tief ausgeschnittene mittelbraune Wams von Bild 2 ist vorn teilweise zugeknöpft. Nieberding spricht von "Ein kurzes mit rothem Bande geschmücktes Kamisol." Es ist dabei aber zu bedenken daß die lange Schöße sich wahrscheinlich einfach unter den Rock verstecken ließen. (Zu Bild 3 könnte stimmen das von Minssen erwähnte Udel, "früher ein Frauenwams ohne Ärmel; waren Ärmel daran, so hieß es: Udel mäd Sleeue." (S. 180).

"Der Oberrock war von rotem Boi, und darunter hatten sie drei oder vier oder fünf Röcke, die rot oder gestreift waren." (Minssen). Der Rock war lang; auf Bild 1 reicht er bis unter die Waden und zeigt viele Falten, wie der braune Rock auf Bild 2. Auf Bild 3 ist der Oberrock hell rotbraun, zeigt unten einen schmalen mittelblauen Rand - die Bestämmelse - und ist mit einem Band um der Taille befestigt. Auffällig ist hier, daß der Rock über der linke Schulter geschlagen ist, wie es auch von Hett. gesehen wurde: "Ihre luftig über die Schulter geschlagene rote Rock." (S. 23). Der deshalb sichtbare Unterrock ist etwas länger als der Oberrock, doch hat dieselbe Farbe und auch mittelblaue Bestämmelse. Bei Hett. lesen wir: "rote Röcke von Boi" und bei Nieberding: "Kurze bis auf die Waden reichende Röcke mit unzähligen Falten, und deren mehrere übereinander, so daß sie dicke Hüften und dünne Taillen bilden." Das Inventar von 1832 nennt: "1 roth Baijen frauen Rock." In 1848 finden sich schon: "6 Kortingene & Baumwollene Röcke." Eine Schürze wird von Minssen nicht erwähnt und fehlt auch auf Bild 3. Bild 1 zeigt wohl Schürzen; sie sind mit einem Band um die Taille befestigt und gleich lang wie die Röcke. Auf Bild 2 ist die Schürze etwas kürzer und mittelblau bis hellblau.

"An den Beinen hatte sie blauwollene Strümpfe, die bis an den Knien gingen und dort mit einem Strumpfband festgemacht waren." (Minssen). Bild 3 zeigt einfarbige hellblaue Strümpfe, übereinstimmend mit Hett. Nieberding aber nennt "blaue Strümpfe mit rothen Zwickeln" und auch Bild 2 zeigt deutlich dunkle Zwickeln auf weißen Strümpfen. Dann spricht Nieberding von "silberne Schnallen auf den Schuhen" und auch Bild 1 zeigt Schuhe. In beiden Fällen sind wir aber nicht ganz sicher inwieweit es sich um der werktäglichen Tracht handelt. Deutlicher ist Minssen: "An Werktagen trugen sie immer Hoske (Holzschuhen)." Auch in der Text bei Hoche heißt es: "Holzschuhe tragen die Weiber bei der Arbeit." Auf Bild 2 sehen wir wahrscheinlich Holzschuhe und ganz klar ist dieses bei Hett. in der Text und auf Bild 3, wo sie gelb und tief ausgeschnitten sind. Bröring sagt: "Da Schuhe bei nassem Wetter und bei der Arbeit wenig brauchbar sind, so gebraucht man Holzschuhe, deren eine Art den Fuß ganz bedeckt, während die andere Art (Triphoske oder Trippen) weit ausgeschnitten und mit einem zuweilen farbigen Lederstreifen auf der Rist versehen sind." Bild 2 könnte der erste Art darstellen und Bild 3 der zweite, obwohl der Lederstreifen fehlt.

DIE TRACHT DER MÄNNER

Über die Männertracht sind wir weit weniger unterrichtet als über die der Frauen. Die Beschreibungen sind bündiger und nur von der Werktagstracht gibt es ein Bild (Bild 14). Die Sonntagstracht ist auf Grund der Beschreibungen rekonstruiert mit Hilfe eines Bildes der Modetracht aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts 37). In den Bildern 15 und 16 sind Grundlageskizzen gegeben. Beide Trachten werden nur von Minssen und Siebs ausdrücklich unterschieden, sodaß bei den anderen Quellen nicht immer deutlich ist, welche gemeint wird. Hett. geben gar keine Beschreibung, da nach ihnen die Männertracht nahezu ähnlich an die der Münsterländer, Oldenburger und Ostfriesen sein sollte.

Die werktägliche Tracht

Nach Minssen trug man an Werktagen einen Houd (Hut), wie sie auch auf Bild 14 erscheint. Sie hat dort ein grauer Farbe, einen ziemlich hohen und eckigen Kopf mit breiter, schlaffer Rand, die nach der einen Seite aufgeschlagen ist. Die Haare reichen halb über den Ohren, an die man eine Art Hänger oder Ohrring sieht. Hoche teilt mit: "Die Mannspersonen tragen alle rundes Haar, das durchgehends blond ist, und etwas ins Bräunliche spielt. Ein Hut, am gewöhnlichsten eine Mütze, bedeckt das Haupt." Nieberding spricht von einem runden Hut und bei Siebs heißt es: "An Werktagen hatten sie einen großen Hut von Lämmerwolle." Nach Bröring hatte der Hut nichts Besonderes. Das Inventar von 1856 erwähnt: "1 Hut und 2 Kuppen." Im Wörterverzeichnis bei Minssen findet sich S. 136 ju Mutse "die Mütze der Männer; auch ju Kappe oder Kippe." Nach Siebs ist der Hut durch die Kipse (Kappe, Schirmmütze) ersetzt.

Auf das auch von Hoche erwähnte Hemd trug man nach Minssen "früher einen Rump ohne Ärmeln von rotem Boi." Es wurde nach S. 152 auf der Brust zugeknöpft. Auch bei Siebs lesen wir von "einen roten Rump von wollenem Zeug.'' Darüber trug man nach Minssen ein buntgestreiftes Wams, "eine leinene oder kattunene Jacke mit Ärmeln, die bis an die Hand reichen; sie geht über die Hüfte hinüber." (S. 183). Wir sehen es sehr wahrscheinlich auf Bild 14 - sei es etwas kürzer - wo es ein senkrechtes hellblau/weißes Streifenmuster zeigt, vorne mit vielen Knöpfen geschlossen ist und über die Hose hängt. Bei Siebs ist es: "Ein Wams von blau oder schwarz wollenem Zeug, selbst gewoben." Vielleicht dasselbe begegnet bei Nieberding als: "Buntgestreiften Westen mit einer dichten Reihe silberner Knöpfe, und gewöhnlich ein paar solcher Westen über einander." Bröring schreibt: "An Werktagen ging man ohne Rock in Hemdsärmeln, oder es wurden die Westen mit Ärmeln von schwarzem oder buntem Stoffe versehen." Die Westen sind wohl hier mit den Wamsen gleichzustellen. Auch die Inventare erwähnen: "2 Westen" (1832) und: "3 Manns Westen" (1856). Unter dem Wams erscheint auf Bild 14 ein helles Hoalsdouk (Halstuch), das nach Siebs von Baumwolle war und zu seiner Zeit noch allgemein getragen wurde. Nieberding erwähnt ein langes auf der Brust herabhängendes Halstuch.

Die mittelbraune kurze Jacke mit vorn Knopflöchern auf Bild 14 findet sich nur hei Minssen im Wörterverzeichnis wieder als: di Jikkel "eine kurze Jacke, die die Männer in neuerem Zeit tragen; sie reicht nur bis an die Taille." Auch die lange, bis zu den Knöcheln reichende Bukse (Hose) auf dem Bild ist wohl ziemlich neumodisch gewesen, denn bei Minssen heißt es: "Dann hatten sie weißleinene Hosen, die bis eben über den Knien gingen und die bei den Knien lose hingen. An der rechten Seite dieser Hosen hatten sie die Hosentasche, in welche die steinerne Pfeife mit Futteral, Messer mit Scheide und der Tabacksbeutel von Robbenfell sitzen. An der linken Seite, aber nicht an der Hüfte, sondern weiter nach vorne sitzt ju Fikke, eine kleinere Tasche in welche man von oben hineinfährt und in welche man Zunderbüchse, Feuerstahl und Feuerstein hatte." Bei Hoche lesen wir: "eine Art Schifferhose" und bei Nieberding "kurze Schifferhosen." Bei Siebs begegnet: "eine Hose von grauem Leinen:" Bei Bröring heißt es: "Zum Schutze bei der Arbeit trugen sie wie auch heute noch lange weite Hosen (wide Bukse). Hosenträger waren wenig in Gebrauch; deren Stelle vertraten lederne Gürtel, die durch einige am Hosenband sitzende Schlingen gelegt wurden."

"Dann trugen sie an den Beinen weißwollene Hoose (Strümpfe) und an den Füßen Socken darüber und dann Hoske (Holzschuhe)" (Minssen). Auf Bild 14 begegnen aber graue Schuhe von grobem Modell mit weiße Strümpfe. Hoche meldet: "Wollene Strümpfe und lederne Schuhe. In den Häusern tragen sie Holzschuhe." Hett. gibt: "Holzschuhen werden oft von ihnen gebraucht." Bei Bröring begegnet noch der Stöäwelhosk "ein mit Lederschaft ausgerüster Holzschuh." Die Inventare von 1832 und 1856 erwähnen Stiefeln.

Die sonntägliche Tracht.

"An Sonntagen hatten sie auf den Kopf eine Lampe 38), einen drei-eckigen Hut, die von drei Seiten 'aufgezäumt' war." (Minssen, Wörterverzeichnis S. 110). Vielleicht gehören dazu auch die "zwey goldene Hutspangen" im Inventar von 1832. An derselben Stelle bei Minssen findet sich auch noch die Poole. "Hat die Form eines Hamburger Hutes, ist aber von schwarzer Farbe; die Bauern auf dem Hümmling tragen ihn noch." Bei Siebs lesen wir nur von einen großen wollenen oder 'hasewollenen' Hut und weiter von ein seidenes Halstuch und ein Hemd von weißem Leinen. Bröring schreibt: "Ein buntfarbiges seidenes oder wollenes Tuch wurde um den Hals geknotet, dessen Zipfel unter der Weste versteckt; den Hemdkragen, der unter dem Kinn durch zwei silberne oder goldene Knüpfe geschlossen wurde, klappte man über das Halstuch." Nach Minssen war es ein "buntkattunenes Tuch." Die "2 Bunte Hals Tücher" und "4 bunt Catune Hals Tücher" des Inventars von 1832 könnten sich auch hier auf beziehen; sicher ist das wohl von "3 Manne Tücher" in dem von 1856.

Das sonntägliche Wams war nach Siebs von Damast, mit einer Reihe silberne Knöpfe. Mehr aber scheint man nach ihm ein Kamesöölken getragen zu haben. Minssen sagt: "An Sonntagen trug man über dem Wams ein Unnerkamsool ohne Ärmel und von hellblauem Tuch gemacht; darüber kam ein Uurkamsool von hellblauem Tuche mit Ärmeln." Bei Hoche begegnet: "Ein Hemd, ein Brusttuch, und darüber ein Kamisol mit Ermeln von gefärbten Linnen und Wollengarn, bedecken den Leib. Die Weiber weben dies Zeug selbst, und darum trägt es ihre Lieblings-farben, blau und weiß. Vielleicht sind dies nur Lieblingsfarben an dem männlichen Geschlechte, wegen der Wäsche, denn sie selbst machen Ausnahmen. Einige Männer trugen auch violette und blaue Kamisöler." Das blau und weiß stimmt auffälligerweise zu der Werktagstracht von Bild 14. Nieberding erwähnt vor (also unter?) den "Westen": "Hellblauem Kamisol oder Wamms mit langen Schössen, an den Seiten mit Taschen und darüber Klappen."

Die Westen werden bei Minssen nur als neumodischer Tracht der jungen Männer erwähnt, aber bei Bröring heißt es: "Die Westen, untenher gerade geschnitten, waren zum Übereinanderschlagen mit zwei Knöpfenreihen versehen, ohne Kragen, aus Damast verfertigt," was sich aber eher auf Wams oder Unnerkamsool bezieht. Das stimmt auch weiter: "Über die Weste zog man einen langen Rock von schwarzem oder hellem Tuch; mit mehreren Reihen goldener oder silberner Kugelknöpfe wurde er verziert." Bei Minssen lesen wir: "(Über dem Uurkamsool) hatten sie einen Rock, auch von hellblauem Tuch." Siebs erwähnt: "Ein Rock von schwarzem oder hellem Tuch" (über dem Kamesöölken). Die Inventare ergeben "1 Tüchener Kleidrock" (1832), "3 Manns Rocke" (1856). Bei Minssen findet sich S.115 ju Jasse, "ein Mannsrock mit zwei Reihen Knöpfe."

"Die Sonntagshose war von hellblauem Tuch, von Triep (gestreifte Plüche) oder von Manschester; bei den Knieen hatten sie Knöpfe oder Heerne [?] aus Messing, und unter den Knien hatten sie die Hosen zugeschnallt mit silbernen Gaspen (Schnallen)" heißt es bei Minssen, und weiter auf S. 87: "Die Sonntagshosen sind von Samtmanschester und die allerbesten von Hirschleder gemacht." Nach Siebs hatten sie "eine manschesterne kurze Hose mit silbernen Spongen an der Außenseite des Beines; sie ging eben über den Knien." Bröring meldet: "Die Männer trugen halbenge Kniehosen, häufig von schwarzem Baumwollensammet (Manschester), welche sich oben mit einem Latz öffneten und unten mit einem Bande und einer silbernen Schnalle schlossen." Das älteste Inventar hat: "1 lange tuchene Hose, eine kurze dito dito, 1 paar silberne [?] Beinschnallen, 2 paar silberne [?] Knieschnallen" gegen in 1856 nur "3 Manns Hosen." "Korde nannte man früher das Band, womit man die Kniehosen unter dem Knie zuschnallte." (Minssen, S. 122).

Dann kamen weiße Hoosen (Strümpfe), "die schwarz waren wenn sie trauerten" heißt es bei Minssen. Und bei Siebs: "Und dann wollene Strümpfe, die gingen eben über den Knie und wurden oberhalb des Knies gebunden." Nach Bröring waren Strümpfe und Schuhe wie bei den Frauen. "Um den Füßen hatten sie Schuhe mit silberne Gaspen oder Spongen" (Minssen), und: "Die Schuhe waren mit silbernen Spangen auf den Fuß" (Siebs). Auch Nieberding erwähnt große silberne Schnallen auf den Schuhen. Nach Bröring hatten die Männer außer diesen Schnallen, Silberknöpfen und Uhrketten keine eigentlichen Schmucksachen.

Zum Schluß sagt Minssen: "Diese Kleider, außer der Lampe, tragen die alte Leute jetzt noch, aber die Jungen haben schon lange Hosen, Westen und Jikkeln." Auch zur neuercn Tracht wird das von Minssen S. 181 erwähnte Uurhoamd (Oberhemd) gehören.

SCHLUß

Die saterländische Sonntagstraeht der Frauen kommt vorallem aus den älteren Beschreibungen hervor als sehr prachtvoll. Später scheint sie aber einfacher geworden zu sein, wenn wir wenigstens Siebs glauben dürfen: "Überhaupt hat sich hier die Tracht von aller Überladung freigehalten. Besonder wohlthuend wirkt die geschmackvolle Einfarbigkeit, die im 16. Jahrhundert auch für die Volkstracht Ostfrieslands noch charakteristisch war." (S. 379). Hierauf zeigt auch die Bemerkung des Lehrers Götke auf den Fragenbogen des Deutschen Wortatlas (DWA) 1879/80, 1886 aus Strücklingen: "Nationaltracht 'roth', und eigenthümlich zugeschnittene Jacken und mit Bändern aufgeputzte Hauben und silberne Hemdschnallen, sowie dicke, rothe, wollene Röcke." Dazu sagt Siebs: "Die alte Kleidung bestand aus schweren Stoffen und erhielt sich lange im guten Zustande, doch war sie für wirklich arme Leute nicht zu beschaffen." 13).

Das wird auch eine der Ursachen gewesen sein, daß in der zweite Hälfte des rückgängigen vorigen Jahrhunderts 39) die alte Tracht allmählich aufgegeben wurde zugunsten der billigeren Fabriksstoffen. Der Lehrer Busch zu Hollen antwortet auf der Frage des DWA, ob eine ausgeprägte Volkstracht bestehe, mit: "Ja, aber fast verschwunden." Die anderen drei Gewährsleute (zwei aus Ramsloh und einer aus Scharrel) beantworten diese Frage garnicht. In Bezug auf der Männertracht wurde sie auch von Ottke und Busch verneint. Offenbar sind bis zum Ende des Jahrhunderts nur Teile der Sonntagstracht bewahrt geblieben. Da sie mehr wertvoll waren, liegt dies zwar auf der Hand, aber es geht daraus doch auch hervor daß die Werktagstracht sich höchstens nur etwas länger gehalten hat als die Sonntagstracht. Es könnte sein daß die Werktagstracht in ihren Anfängen eine frühere Sonntagstracht darstellte, was auch etwas hervorgehen könnte aus der Gleichwertigkeit mit der die beiden Trachten 1800 erscheinen (Bild 1), sowie aus dem nicht nennen der Unterschied bei Hoche.

Die Stoffe vorallem der Sonntagstracht ähneln in Reichtum die des alten Handelsstädtchens Hylpen. Ohne Zweifel wird sich darin die Beschäftigung der Saterländer als Frachtschiffer und Transitohändler abspiegeln. Nach Schwalb waren Handel und Schiffahrt bis zum Anfang des vorigen Jahrhunderts die Haupterwerbsquelle für die Saterländer 40). Die häufigen Kontakte der Männer mit den Städten der Umgegend wird auch die frühere Untergang der Männertracht verursacht haben, von die offenbar keine Stücke bewahrt geblieben sind.

Als erste Aufgabe dieser Arbeit hatte ich mich gesetzt die Erklärung der in den Beschreibungen benutzten saterländischen Ausdrücken und ich hoffe daß das wenigstens teilweise gelungen ist. Freilich ist nicht überall Klarheit geschafft, z.B. nicht was die Befestigung des Loogät anbetrifft. Vielleicht könnte eine detaillierte Beschreibung der noch vorhandenen Stücken da etwas Aufklären. Auch eine Vergleichung mit anderen Trachten könnte in solchen Fällen unter Umständen eine Lösung gewähren. Andererseits würde es mich freuen wenn diese Kompilation von in der Saterland-Literatur vorhandenen Daten sonstwo Lücken auffüllen könnte.

Herzlich danken möchte ich Frau Dr. E. Heinemeyer für Auskünfte über dem sich im Oldenburger Landesmuseum befindlichen Trachtstücken, Herrn Dr. B. Deneke zu Nürnberg für Angaben bezüglich des Bildes 'Saterländer mit ihrem Fuhrwerke auf dem Moor', sowie Herrn S.J. van der Molen zu Ljouwert für den Hinweis auf die Arbeit von J. Winkler. Für die Mitteilung der Inventare, sowie der Fragenbogen des DWA danke ich Herrn Dr. H. Ottenjann vom Museumsdorf in Cloppenburg, bzw. Herrn Prof. N. Århammar zu Groningen, damals zu Marburg.

_._._._._

Pyt Kramer.

ANMERKUNGEN

1) J.G. Hoche, Reise durch Osnabrück und Niedermünster in das Saterland, Ostfriesland und Gröningen, Bremen 1800, S. 205 ff. Beschreibung der in 1798 gemachte Reise. Zur Schreibweise der saterländischen Wörtern siehe: P. Kramer, Us Wurk 20, 44 (1971).

2) Im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg. Nicht alle Details sind in Hinsicht der Farbe scharf getrennt. Ohnehin ist einige Problematik darin zu sehen, von den Nuancierungen in der Kolorierung eines solchen Blattes exakt auf die wirklich verwendeten Farben zu schließen. (freundliche Mitteilung B. Deneke).

3) B. Deneke, freundl. Mitt. Obwohl links neben der Unterschrift 'No:,4.' steht, ließ sieh bisher nicht ermitteln, welchem Zusammenhang diese Darstellung zugehört.

4) Jhr. Mr. M. Hettema und R.R. Posthumus, Onze Reis naar Sagelterland usw., Franeker 1836, Neudruck Leer 1974. Beschreibung einer in 1832 gemachte Reise. Die Farben der Bilder der Neudruck stimmen nicht ganz zu denen der Originale, die hier benutzt worden sind. Abgekürzt angeführt als: Hett.

5) In: Beiträge zur Geschichte des Großherzogthums Oldenburg, Bremen 1837, S. 379 u. 382.

6) Nieberding, Das Saterland, wie Anm. 5, S. 441 f.

7) J.F. Minssen, Mittheilungen aus dem Saterlande, 3. Band, FA 372, Ljouwert/Leeuwarden 1970, S. 91 ff.

8) J.F. Minssen, wie Anm. 7, 2. Band, FA 270, Ljouwert/Leeuwarden 1965.

9) E. Duner, Das deutsche Volk in seinen Sitten, Gebrauchen, Festen und Trachten, Leipzig 1847. Beschreibung nach der Neudruck des Bildes, Leer 1973.

10) Zeitschrift des Vereins für Volkskunde 3, 373 (1893).

11) Th. Siebs, wie Anm. 10, S. 240.

12) H.T.J. Miedema, freundl. Mitt.

13) Weserzeitung, 1.2.1885.

14) J. Bröring, Das Saterland, I Teil, Oldenburg 1897, S. 141 ff. Bild gegenüber Titelseite.

15) Reproduziert in Friesische Blätter 13, Nr.8, Westrhauderfehn (1976).

16) Im Archiv des Museumsdorf Cloppenburg. Teilweise reproduziert von A. Wöhrmann, Volkstum und Landschaft, Cloppenburg 28 Nov. 1954, S. 15 f.

17) Hettema und Posthumus, wie Anm. 4, S. 110.

18) Nieberding, wie Anm. 6, S. 442.

19) J.F. Minssen, wie Anm. 7, S. 94.

20) J.F. Minssen in Friesisches Archiv, 2. Band, Oldenburg 1854, S. 158 f., Neudruck Wiesbaden.

21) Nieberding, wie Anm. 6, S. 442.

22) S.J. van der Molen, Ta de Fryske folkskunde II, Grins/Groningen 1974, S. 164.

23) M. Lexer, Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch, s.v. kasagân.

24) K. Freiherr von Richthofen, Altfriesisches Wörterbuch, Göttingen 1840, S. 1038. Neudruck Aalen 1970.

25) A. Lübben und Chr. Walther, Mittelniederdeutsches Handwörterbuch, Norden u. Leipzig 1888, S. 358.

26) J. Verdam, Middelnederlandsch Handwoordenboek, 's Gravenhage 1949, S. 551.

27) K. ter Laan, Nieuw Groninger Woordenboek, Groningen 1929, S. 925. Neudruck Groningen 1974.

28) W. Peßler, Niedersachsen (Deutsche Volkstum, Bd. I), München 1923, Bild 106.

29) Kamelott oder Schamlot ist ein Woll- oder Seidenstoff der in verschiedenen Qualitäten hergestellt wurde. Den feinsten Kamelott führte man aus Kleinasien ein. (freundl. Mitt. E. Heinemeyer).

30) Us Wurk 23, 94 (1974).

31) S.J. van der Molen, wie Anm. 22, S. 164 mit Bild auf S. 163.

32) H. Schönhoff, Emsländische Grammatik, Heidelberg 1908, S. 74, sowie A. Lübben u. Chr. Walther, wie Anm. 25, S. 572.

33) N. Westendorp, Over de Saterlanders, in: Antiquiteiten 2, 91. Groningen (1819).

34) J. Winkler, Oud Nederland, 's Gravenhage 1888, S.284 u. 292 f.

35) E. Heinemeyer, freundl. Mitt.

36) Die Bezeichnung Boy oder Poy ist schon in der Renaissance nachzuweisen. Es handelt sich um einen lose gewebten Wollstoff. (freundl. Mitt. E. Heinemeyer).

37) Nach H. Spieß, Die deutschen Volkstrachten, Leipzig 1911, S. 12.

38) Sie hat ihren Namen wohl von der Ähnlichkeit mit einer dreieckigen Öllampe, wie z.B. abgebildet bei W. Bomann, Bäuerliches Hauswesen und Tagewerk in Niedersachsen, Weimar 1941, Neudruck Hildesheim 1975, S. 114.. 88.

39) M. Schwalb, Die Entwicklung der bäuerlichen Kulturlandschaft in Ostfriesland und Westoldenburg, Bonn 1953, S. 57.

40) M. Schwalb, wie Anm. 39, S. 49 ff.

UNTERSCHRIFTEN ZU DEN BILDERN

1. Die Frauentracht um 1800 nach Hoches Titelbild. Die Tracht mit Hut ähnelt die spätere Werktagstracht, die Andere die Sonntagstracht.

2 Die Werktagstracht um 1820/30 mit unbedecktem Ohreisen. Ausschnitt aus dem Neurenberger Bild.

3 Die Werktagstracht in 1832 nach dem Titelbild bei Hettema und Posthumus.

4 Die Sonntagstracht in1832 nach Hettema und Posthumus, S. 111.

5 Sonntagstracht um 1847 mit abweichende Kopfbedeckung.

6 Frau Wilhelmine Bitter aus Ramsloh trägt die Rekonstruktion der Sonntagstracht, 1897.

7 Rekonstruktion der Sonntagstracht des Oldenburger Landesmuseum um 1930.

8 Grundlageskizze für die werktägliche Kopftracht in drei Phasen.

9 Grundlageskizze für die sonntägliche Kopftracht in drei Phasen.

10 Grundlageskizze für die werktägliche Körpertracht.

11 Grundlageskizze für die sonntägliche Körpertracht.

12 Der Hemdschmuck Boomkelättere nach Minssen, 1847.

13 Die Sponge (Hemdspange) nach Bröring, 1897.

14 Die Werktagstracht der Männer um 1820/30. Ausschnitt aus dem Nürnberger Bild.

15 Grundlageskizze für die Werktagstracht der Männer.

16 Grundlageskizze für die Sonntagstracht der Männer.



Die Frauentracht um 1800 nach Hoches Titelbild. Die Tracht mit Hut ähnelt die spätere Werktagstracht, die Andere die Sonntagstracht.
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Das Neurenberger Bild.


2 Die Werktagstracht um 1820/30 mit unbedecktem Ohreisen. Ausschnitt aus dem Neurenberger Bild.



3 Die Werktagstracht in 1832 nach dem Titelbild bei Hettema und Posthumus.




4 Die Sonntagstracht in1832 nach Hettema und Posthumus, S. 111.



5 Sonntagstracht um 1847 mit abweichende Kopfbedeckung.




6 Frau Wilhelmine Bitter aus Ramsloh trägt die Rekonstruktion der Sonntagstracht, 1897.



7 Rekonstruktion der Sonntagstracht des Oldenburger Landesmuseum um 1930.




Bild 8 Grundlageskizze für die werktägliche Kopftracht in drei Phasen: a, b, c.

Bild 9 Grundlageskizze für die sonntägliche Kopftracht in zwei Phasen: a, b.



10 Grundlageskizze für die werktägliche Körpertracht.

11 Grundlageskizze für die sonntägliche Körpertracht.


12 Der Hemdschmuck Boomkelättere nach Siebs 378, 1893.


13 Die Sponge (Hemdspange) nach Bröring 143, 1897.


14 Die Werktagstracht der Männer um 1820/30. Ausschnitt aus dem Nürnberger Bild.



15 Grundlageskizze für die Werktagstracht der Männer. ================================

==================================16 Grundlageskizze für die Sonntagstracht der Männer.

 





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